Design

ELIOT

ELIOT

Tanz der Neurone

Evidenzbasierte Materialerfahrung zur Bewertung von Design-Konzepten

In Design- und Entwicklungsprozessen der Automobilindustrie wird häufig mit Probandentests gearbeitet, um die Wahrnehmung von Materialien und Oberflächen zu bewerten. Die Empfindungen der TesterInnen werden dabei in verbaler oder schriftlicher Form festgehalten. Diese haben den Nachteil, dass sie verbalen Einschränkungen im Ausdruck unterliegen, subjektiv geprägt sind und von gelernten oder kulturellen Verhaltensweisen beeinflusst werden. Ein kooperatives Forschungsprojekt des Human-Neurosensorik Labors des Institutes für Werkstofftechnik an der Universität Kassel und des Entwicklungsunternehmens imat-uve aus Mönchengladbach stellte sich daher die Frage, wie man diese Beschränkungen zugunsten einer objektiveren Bewertung der Sinneswahrnehmung aufheben könnte. Unter dem Projektnamen ELIOT (Emotional Evaluation of Things) soll ein neuer Standard für Produkt- und Materialprüfungen eingeführt werden, der an die hohen Anforderungen und die Präzision von herkömmlichen technischen Prüfungen angelehnt ist.

Zum Einsatz kommt eine Kombination aus biometrisch-neurowissenschaftlichen und klassischen Verfahren. Die gewonnenen Erkenntnisse können direkt für die Optimierung in der Entwicklung genutzt werden. Die wahrgenommene Qualität und Langlebigkeit stellen in diesem Rahmen wichtige Aspekte für Entwicklungsprozesse dar. Neben diesen wird auch die Auswirkung der hinter einem Material liegenden Geschichte, bespielweise der ökologischen Wertigkeit, als zentraler Einfluss- und Entscheidungsfaktor auf die sinnliche Wahrnehmung und deren kognitive Verarbeitung in die Beurteilung einbezogen.

Das Herzstück ist die biometrische Messmethodik der Elektroenzephalographie (EEG). Diese wird zur Ableitung von Spannungsschwankungen in spezifischen Arealen des Neokortex eingesetzt. Sie dient der Abbildung fundamentaler Reizverarbeitungsprozesse, Emotionen und deren Auswirkungen auf die höheren kognitiven Funktionen. Unterstützt wird dieser Ansatz durch das 3D-Tracking von Mimik und Augenbewegung. Das Ziel des Kooperationsprojektes ist die objektive Analyse der sinnlichen Erfahrung von Materialien, Bauteilen und Design-Konzepten in der Automobilindustrie. Diese Methodik und Test-Setups lassen sich auch auf andere Branchen übertragen, in denen Haptik, Optik, Sound und Geruch von Oberflächen eine große Rolle spielen.